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Die nächsten Sitzungen des Stadtteilrats Barmbek-Süd im April und Mai finden aus rechtlichen und fürsorglichen Gründen nicht statt.

Das Stadtteilbüro bleibt aufgrund der aktuellen Gesundheitsempfehlungen leider bis zum 29. März geschlossen. Wir sind ab dem 30. März montags (10.00 bis 15.00 Uhr) und mittwochs (15.00 bis 18.00 Uhr) telefonisch unter 5190080-67 zu erreichen.

Diese Absage betrifft auch die Jahreshauptversammlung des Stadtteilvereins Barmbek-Süd e.V. am 31. März und die AG social.net am 30. April, die auf unbestimmte Zeit verschoben sind.

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Lärm! Dreck! Wohnen?

01. März 2018 Klaus-Peter Görlitzer

In Hamburg sollen perspektivisch 100.000 Wohnungen an großen Straßen gebaut werden. Der Stadtteilrat fordert die Politik auf, endlich gegen die hohen Belastungen durch Schadstoffe und Lärm vorzugehen – auch in Barmbek-Süd!

Es ist nicht verkehrt, Hamburgs Hauptverkehrsstraßen genau in den Blick zu nehmen. Diese so genannten Magistralen sind laut, dreckig, ungesund für Anwohner, riskant für Radfahrer und Fußgänger. Den Wohnungsbau ausgerechnet dort ankurbeln soll ein Antrag namens „Stadtplanung von heute für die Stadtentwicklung von morgen“, am 11. Oktober gut geheißen von der Bürgerschaft.

Wird gemacht, was auf dem Papier steht, dürften die Belastungen weiter steigen: Neubauten mit mindestens fünf Etagen, Bebauung von Lücken, Aufstockungen – alles wird angestrebt, ohne dass gleichzeitig verbindlich geplant und realisiert werden soll, den motorisierten Verkehr und den von Autos beanspruchten Platz zu verringern.

In Barmbek-Süd liegen auch Teile der Magistrale Nord. Sie reicht vom Mundsburger Damm über Oberaltenallee, Hamburger Straße, Barmbeker Markt bis zur Bramfelder Straße. Das Bezirksamt Nord lässt sie seit Juni extern begutachten – um ermitteln zu lassen, wo dort noch Platz für neue Häuser sein könnte (siehe Stadtteilinfo 47 vom Juli 2017).

Der Stadtteilrat hat ein Positionspapier erarbeitet – Kernaussage: „Nachverdichtungen mittels Errichtung neuer Häuser lehnen wir nicht kategorisch ab. Sie dürfen aber nur dann erwogen und realisiert werden, wenn zuvor bzw. gleichzeitig der motorisierte Verkehr endlich so vermindert worden ist, dass geltende Grenzwerte eingehalten werden. Zudem muss in jedem Einzelfall geklärt und veröffentlicht werden, welche klimatischen Auswirkungen mit welcher geplanten Nachverdichtung verbunden sein würden und ob diese verantwortbar ist oder nicht. Eine frühzeitige Bürgerbeteiligung und Transparenz möglicher Planungen ist unabdingbar.“ Als wirksame Instrumente bieten sich zum Beispiel an: Wegnahme und Verengung von Fahrbahnen, Tempolimit auf 30 km/h, notfalls auch Fahrverbote zwecks Einhaltung von Grenzwerten.

Am 25. April will das Bezirksamt die Ergebnisse des fast 140.000 Euro teuren Magistralen-Gutachtens öffentlich präsentieren. In der Hochschule für bildende Künste am Lerchenfeld wird man erfahren, welche Anregungen die beauftragten Gutachter berücksichtigt haben oder nicht. Wichtig ist dem Stadtteilrat auch, die Aufenthaltsqualität zu verbessern, das Positionspapier rät: „Das Gutachten sollte aufzeigen, wo Straßenraum zurückgewonnen werden kann, wo durch Einschränkung der Verkehrsfunktion Platz für Treffpunkte zum Verweilen geschaffen werden kann.“

Die kritische Öffentlichkeitsarbeit, gerichtet auch an den Bürgerschaftsausschuss für Stadtentwicklung, weckte mediales Interesse; so berichteten das Hamburger Abendblatt, der TV-Sender Noa4 und der Deutschlandfunk. Der Radiosender thematisierte im Februar permanente Lärmbelastungen am (schlechten) Beispiel Hamburgs; Umweltsenator Jens Kerstan kam dabei reichlich zu Wort – und kurz auch ein Sprecher des Stadtteilrats Barmbek-Süd.

Ein Abendblatt-Reporter, der im Oktober sieben Stadtteilratsaktive an der Hamburger Straße getroffen hatte, ließ dort ein paar Tage später professionelle Lärmmessungen vornehmen. Das Ergebnis stand am 23. Oktober im Abendblatt, Leseprobe: „Besonders laut war es an der Hamburger Straße (Höhe Nr. 190) mit 75 bis 80 Dezibel (dbA), gemessen auf dem Bürgersteig. Ausreißer nach oben waren hier wie überall Lkw (hier bis zu 88 db) und die Motorräder (86). Zum Vergleich: Laut Umweltbundesamt stören bereits Geräusche von 60 Dezibel die Konzentration und führen zu ersten Belastungsreaktionen. Bei dauernder Belastung von 80 Dezibel erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“

Dringliche Fragen zu diesem Missstand stellte der Stadtteilrat im November an den Regionalausschuss: „Was werden Sie und Ihre Fraktion tun, um an der Hamburger Straße die seit Jahren bekannte, gesundheitsgefährdende Lärmbelastung und die bisher nicht gemessene, wahrscheinlich rechtswidrige Luftbelastung abzustellen? Welche konkrete Maßnahmen werden Sie bis wann umsetzen? Werden Sie dafür sorgen, dass an der Hamburger Straße endlich Messstationen für Luft- und Lärmbelastungen aufgestellt werden – und falls ja: Bis wann?“ Unser Schreiben wurde „zur Kenntnis genommen“. Passieren muss mehr: Wir erwarten konkrete Antworten und Taten! Der Stadtteilrat wird dran bleiben, notfalls mit eigenen Luft-Messungen, die (warum wohl?) behörderlicherseits nicht stattfinden.

Das Bundesverwaltungsgericht hat am 27. Februar geurteilt: Bei zu schlechter Luft können Diesel-Fahrverbote rechtmäßig sein! Die Stickstoffdioxid-Werte sind wohl auch an der Magistrale Nord oft zu hoch. Aber die Zuständigen lassen bisher einfach nicht messen, weder Schadstoffe noch Lärm. Nichtstun und Wegschauen sind verantwortungslos. Die Bürger sollten deutlich machen, dass sie sich das nicht mehr gefallen lassen.

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