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Die nächsten Sitzungen des Stadtteilrats Barmbek-Süd im April und Mai finden aus rechtlichen und fürsorglichen Gründen nicht statt.

Das Stadtteilbüro bleibt aufgrund der aktuellen Gesundheitsempfehlungen leider bis zum 29. März geschlossen. Wir sind ab dem 30. März montags (10.00 bis 15.00 Uhr) und mittwochs (15.00 bis 18.00 Uhr) telefonisch unter 5190080-67 zu erreichen.

Diese Absage betrifft auch die Jahreshauptversammlung des Stadtteilvereins Barmbek-Süd e.V. am 31. März und die AG social.net am 30. April, die auf unbestimmte Zeit verschoben sind.

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Barmbe(c)k 125 Jahre Hamburger Stadtteil

29. November 2019 André Bigalke

An manche Jahrestage wird man überall erinnert, sie gehören zum aktiven Gedächtnis. Für unser Barmbek sind dieses sicherlich Daten wie 1923 (Barmbecker Aufstand) oder 1943 (Bombenzerstörung). Bedeutend ist aber auch das Jahr 1894 für die dann folgende Entwicklung.

In Sommer 1894 wurden 14 Vororte in die Stadt Hamburg eingemeindet und damit Stadtteile der Hansestadt. Unter diesen befanden sich heute selbstverständliche Bereiche der inneren Stadt wie St. Pauli, Eimsbüttel und Eppendorf, aber auch das heutige Rothenburgort oder Steinwerder. Es fehlt in dieser Aufzählung natürlich noch Barmbeck, aber das ist dann schon ungenau, denn dieses damalige Gebiet umfasste die heutigen Stadtteile Barmbek-Nord, Barmbek-Süd und Dulsberg.

Die vorherige staatsrechtliche Lage unseres Gebietes ist eine längere, spannende Geschichte. Der Verkauf durch die holsteinischen Grafen 1355 brachte das Dorf Barmbeck unter die Herrschaft des Heiligen-Geist-Hospitals, einer karitativen kirchlichen Einrichtung, die erst durch katholische Geistliche und dann durch Vertreter der vier bzw. später fünf Hamburger Hauptkirchspiele, die sogenannten Oberalten, geleitet wurde. Diese setzten aus dem Kreis der Barmbecker Hauptbauern, den Hufnern (in Unterschied zu den Kleinbauern, den Kätnern) Vögte ein, die die eigentliche Verwaltung zu erledigen hatten. Zu diesen Hufner-Familien gehörten die Mundt, Deseniß, Framhein, Bostel, Reese u.a., womit die Herkunft diverser Straßennamen geklärt ist.

Diese nebenamtliche, mit wenigen kommunale Strukturen ausgestatte Herrschaft kam im frühen 19. Jahrhundert weitgehend zum Erliegen; die Stadt Hamburg stellte diese anachronistischen Feudal-Herrschaften (auch des St. Georg-Spitals und des Alt-Klosters Harvestehude) unter direkte städtische Verwaltung, allerdings in Form einer Landherrenschaft der Geestlan- Die Barmbeker Mühle am Anfang der Hamburger Straße um 1895 · Geschichtswerkstatt Barmbek November 2019 Stadtteilrat Barmbek-Süd Stadtteilinfo 56 2 de, in deren Rahmen es auch weiterhin Vögte der alten Familien gab.

Nach der vorsichtigen Verfassungsreform und Aufhebung der Torsperre des Jahres 1860 wurden dann schrittweise die städtischen Behörden für die Verwaltung der Landgebiete zuständig. Gerichtswesen, Polizei, Bildung, Straßenbau, Bauaufsicht u.v.m. wurden vereinheitlicht, um der Veränderung des Siedlungsbildes gerecht zu werden, Barmbeck verstädterte. Mit der Reichsgründung 1871 erhielten dann weite Teile des Hamburger Landgebietes bis nach Großhansdorf, Geesthacht oder Cuxhaven eine kommunale Teil- Selbstverwaltung, nicht aber die oben gennannten 14 Vororte, die ganz direkt von der Stadt verwaltet wurden. Nach über zwei Jahrzehnten, in denen auch abgewartet wurde, dass „nicht mehr die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen überwiege“, wurde dann der endgültige Schritt der Eingemeindung zum 1. Juli 1894 vollzogen; erst jetzt verschwand der letzte Vogt.

Eingemeindung zum 1. Juli 1894

Die Veränderungen in Barmbeck vollzogen sich schleichend. Der entscheidende Faktor war die Steigerung der Einwohnerzahl von rund 1.000 im Jahre 1834 auf 41.000 1895 bis hin zu 120.000 nach dem 1. Weltkrieg. Die notwendige Anpassung an die städtischen Strukturen konnte in vielen Bereichen aber schneller und moderner als in der verdichteten Innenstadt erfolgen: Straßenbahn, U-Bahn-Ring, Kanalisation, Anlage von Grünflächen, größere Schulgebäude und industrielle Flächen ergänzten jetzt die schnell gebauten gründerzeitlichen Putzgebäude, in denen aus der Innenstadt durch den Bau der Speicherstadt Vertriebene und Zugezogene sehr beengt wohnen mussten.

Die weitere Entwicklung, wie die mehrfache Verschiebung von Stadtteilgrenzen im Westen, die Zerlegung in die drei Stadtteile Barmbek-Nord, Barmbek-Süd und Dulsberg nach dem II. Weltkrieg (seit 1946 Barmbek ohne c), die Verknüpfung im Ortsamt Barmbek-Uhlenhorst, die Zerstörungen des Bombenkrieges wie auch die unterschiedlichen Bauplanungen der verschiedenen Phasen haben wenig übrig gelassen vom alten Barmbeck. Der Weg der Verstädterung hat für lange Zeit die Ausrichtung unserer Region nur als Hamburger Quartier der östlichen inneren Stadt geprägt; in den letzten Jahren hat aber in verschiedenen Kontexten ein Trend zur Identifizierung mit dem eigenen Quartier stattgefunden, für uns in Barmbek-Süd sicherlich auch zu verbinden mit einer bewussten Betrachtung der vielfältigen Stadtteilgeschichte.

Bild: Die Barmbeker Mühle am Anfang der Hamburger Straße um 1895 · Geschichtswerkstatt Barmbek

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